{"id":155,"date":"2024-03-25T22:33:15","date_gmt":"2024-03-25T21:33:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/?p=155"},"modified":"2024-03-25T23:02:53","modified_gmt":"2024-03-25T22:02:53","slug":"zur-ehrenrettung-der-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/?p=155","title":{"rendered":"Zur Ehrenrettung der Wissenschaft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Online-\u201ePresse\u201c vom 25. M\u00e4rz 2024 findet sich ein <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/18309845\/wenn-die-politik-die-wissenschaft-schroff-ignoriert\">Beitrag von Josef Christian Aigner<\/a> mit dem Titel \u201eWenn die Politik die Wissenschaft schroff ignoriert\u201c. Darin verbreitet er alle typischen Klischees und Vorurteile, die man von linker Seite zum Thema Wissenschaft typisch und \u00fcblich zu h\u00f6ren bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Wesentlichen ersetzt er die wissenschaftliche Methodik, wonach Thesen in jedem Fach durch fachspezifische Experimente oder sonstige Realit\u00e4tsvergleiche verifiziert oder falsifiziert werden, durch einen pseudoreligi\u00f6sen Kult, der von den Menschen verlangt, an die Aussagen der Wissenschaftler zu glauben, ohne sie nachvollziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hat die Menschheit in dieser Form in der Geschichte noch nie getan (zu ihrem gro\u00dfen Wohl), und am allerwenigsten die Wissenschaftler selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Aigner verwechselt den Respekt vor der Person des Wissenschaftlers, insbesondere des hochgebildeten, intelligenten Forschers mit Meriten und Verdiensten in seinem Fachgebiet, mit der Wissenschaft selbst.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun kann nicht jeder Mensch alle wissenschaftlichen Erkenntnisse selbst nachvollziehen. Heutzutage k\u00f6nnen das nicht einmal mehr Einzelne, die letzten \u201eUniversalgelehrten\u201c sind vor 200 Jahren zu verorten, und selbst f\u00fcr damals ist das Detailverst\u00e4ndnis in allen Disziplinen zu hinterfragen. Umso weniger geht das heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00fcssen wir nicht also letztlich auf die Aussagen der Wissenschaftler vertrauen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, aber. Das gro\u00dfe Aber bezieht sich darauf, dass das gesammelte Wissen immer mehr explodiert und immer mehr Spezialisten auf einzelnen Fachgebieten t\u00e4tig sind und ihr zweifellos exzellentes Fachwissen f\u00fcr das A und O der Welt halten, also verabsolutieren. Diese Verabsolutierung ist innerhalb ihres Spezialgebiets sicher zul\u00e4ssig und notwendig. Aber die erlebte Umwelt des modernen Menschen wird durch die vielen Interaktionen der einzelnen Teildisziplinen immer komplexer. Die Neigung zur Verk\u00fcrzung, Verabsolutierung und unzul\u00e4ssigen Vereinfachung besteht, und besteht leider auch bei Wissenschaftlern, insbesondere bei jenen in der zweiten Reihe, die um Anerkennung und Karriere k\u00e4mpfen, und darum auch um Einflu\u00df auf die Entscheidungen der Menschen im t\u00e4glichen Leben, in Politik und Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Informationen \u00fcber ein wissenschaftliches Ph\u00e4nomen kommen heute nie mehr direkt vom Entdecker\/Erforscher zum einfachen Menschen. L\u00e4ngst haben sich Zwischendisziplinen von \u201eWissenschaftsvermittlung\u201c etabliert. Eine der \u00e4ltesten davon ist ja seit Urzeiten bekannt: Die Schule. Dort besteht ein Zwiespalt, weil man einerseits die jungen Menschen, besonders jene, die dann in die Forschung gehen, m\u00f6glichst nahe an den aktuellen Stand des Wissens heranf\u00fchren will, andererseits aber in der Schule m\u00f6glichst ideologiefrei, m\u00f6glichst klar und verst\u00e4ndlich und von aller unn\u00f6tigen Schlacke befreit nach M\u00f6glichkeit nur wissenschaftlich gesichertes Wissen und absolut notwendige Grundfertigkeiten den Menschen vermitteln will. F\u00fcr mehr reicht die Zeit nicht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beklagenswert ist, dass dabei in der Schule gerade an der Mathematik und den Naturwissenschaften in den letzten Jahren gespart wird. Ich halte es f\u00fcr erfreulich, dass es eine Zentralmatura nun gibt, aber f\u00fcr weniger erfreulich, dass dort (nach meinem Eindruck) zu viel Wert auf Textaufgaben und auf das Verst\u00e4ndnis abstrakter mathematischer Begrifflichkeiten und zu wenig Wert auf konkretes Rechnen und konkrete L\u00f6sungsstrategien gelegt wird. Letztlich wird damit eher das sprachliche Verst\u00e4ndnis der Sch\u00fcler, insbesondere das genaue Zusammenwirken von Sprachlogik, mathematischen Begriffen, und einfachen vorgegebenen Sachverhalten abgepr\u00fcft. Das ist nat\u00fcrlich f\u00fcr eine zentralisierte Pr\u00fcfung ein guter Weg um zu standardisieren und Vergleichbarkeit zu schaffen. Es ist aber weniger gut geeignet, um zuk\u00fcnftige Handwerker und Firmenmitarbeiter in den mathematischen Grundfertigkeiten und Denkmodellen auszubilden. Der Trend geht dahin, dass in der Wirtschaft und Verwaltung, besonders dort, wo nicht an Forschung und Entwicklung gearbeitet wird, selbst einfache Grundgegebenheiten nicht mehr nachvollzogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass sich dieser Verlust von Vernunft und \u201eHausverstand\u201c (ein oft missbrauchtes Wort) bis hinein in die Medien zieht und unseren ganzen Diskurs bestimmt, m\u00f6chte ich an zwei kleinen Beispielen aufzeigen, beide aus dem Hause des ORF. In den Zeitungen gibt&#8217;s \u00e4hnliche Unsinnigkeiten zuhauf, aber ich m\u00f6chte jetzt keiner einzelnen Publikation zu nahe treten. Beide Beispiele sind aus dem Bereich des Klimaschutzes.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beispiel 1: Jakarta und der Meeresspiegel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein ORF-Bericht vor einigen Jahren erw\u00e4hnt, dass die indonesische Hauptstadt Jakarta unter den Folgen des Klimawandels leidet und im Meer zu versinken droht. Der erste derartige Bericht ist mir vor mehreren Jahren aufgefallen, eine Google-Suche zeigt, dass seither viele Berichte zu diesem Ort gebracht wurden, praktisch immer im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die Kombination scheint ein Lieblingsthema des ORF zu sein, das alle paar Jahre von neuem aufgew\u00e4rmt wird. Beim ersten Mal habe ich noch an zwei mir bekannte ORF-Leute eine Mail geschrieben, dass sie diesen Unsinn bitte korrigieren sollen. Darauf gab es keine Reaktion. In den neueren Berichten wird in typischer ORF-Manier zuerst vom steigenden Meeresspiegel gesprochen, dann vom Klimawandel, und dann davon, dass der Hauptteil des Problems aber menschengemacht sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja eh. Das Problem ist, dass beim ORF in der Wissenschaftsredaktion keine Leute sitzen, die ein gewisses wissenschaftliches Grundverst\u00e4ndnis haben. Der Meeresspiegel steigt in Jakarta durch den Klimawandel genauso schnell, wie er \u00fcberall sonst auf der Welt durch den Klimawandel steigt. Wenn nicht geologische oder tektonische Ph\u00e4nomene hinzukommen, ist Jakarta kein besonderer Ausnahmefall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei auch nur geringf\u00fcgiger Recherche, die ich beim ersten Auffallen eines Jakarta-Artikels unternommen habe, zeigt sich, dass den Indonesiern das Problem und die Ursache bekannt sind: Durch das Wachsen der Stadt wird immer mehr Grundwasser dem urspr\u00fcnglich sumpfigen Grund entnommen, und durch die Entw\u00e4sserung sinkt das Bodenniveau. Dieses Ph\u00e4nomen macht den Hauptanteil des Effekts aus (mehr als 90%), der weltweite Anstieg des Meeresspiegels durch die Erderw\u00e4rmung macht im Vergleich nur einen geringen Anteil aus. Die Indonesier wissen das und haben die Sache gemeinsam mit niederl\u00e4ndischen Spezialisten (die grosse Erfahrung im Bau von Deichen haben) untersucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit ist also alles klar bis auf die Frage, die bleibt: Warum schreibt der ORF bis heute Artikel zum Thema Jarkarta, Klimawandel und Anstieg des Meeresspiegels? Diese Artikel erzeugen bei geringer gebildeten Menschen, und besonders bei linken \u201edie ganze Welt wird verbrennen\u201c-Propheten, aufgrund ihrer suggestiven Schreibweise einen Eindruck, der zu 100% nicht von der Wissenschaft gedeckt ist, der aber zweifellos dazu beitr\u00e4gt, dass der linke Narrensaum sich auf die Stra\u00dfe klebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Langfristig wird diese Unvernunft der Reputation aller Medien und vermutlich auch der Wissenschaft insgesamt bei den Menschen schwer schaden. Es ist beklagenswert, dass sich nicht mehr Wissenschaftler gegen solche Unseriosit\u00e4t auflehnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beispiel 2: Aufz\u00fcge in der Stadt als Energiespeicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch bereits zweimal in einem gewissen zeitlichen Abstand ist in Zeitungen und im ORF von einer Forschungsgruppe zu lesen, die Aufz\u00fcge mit Gewichten als Energiespeicher nutzen will. Manchmal will man die vielen Aufz\u00fcge in der Stadt nutzen, manchmal auch Aufz\u00fcge in Bergwerkssch\u00e4chten errichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz zweifellos haben diese Forschungsgruppe und die Medien, die das dann rezipieren, schon einmal begriffen, dass die Energiespeicherung, besonders die Speicherung \u201ehochwertiger\u201c (gut umwandelbarer) mechanischer oder elektrischer Energie, ein Problem darstellt, das zu l\u00f6sen ist, wenn man fossile Energietr\u00e4ger aus dem Alltag verbannen will. Willkommen im Club: Alle Physiker, Elektrotechniker und Energiewirtschaftler wissen seit wesentlich mehr als 100 Jahren, dass das der Knackpunkt ist, an dem der Fortschritt stockt. Nicht zuletzt deshalb hat man vor 100 Jahren begonnen, grosse Stauseen zu bauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber zu wissen, dass an einem bestimmten Punkt die Forschung nicht recht weiterkommt, weil das Problem schwierig ist, bedeutet nicht, dass man dann auf jeden Unsinn in der \u00f6ffentlichen Berichterstattung aufspringen muss. Die Stauseen sind ja genau das, was die \u201eAufzugsmethode\u201c im Kleinformat ist, im Gro\u00dfen: Riesige Mengen Wasser werden durch Pumpen hinaufbewegt, um die Energie zu speichern, und k\u00f6nnen bei Bedarf \u00fcber Turbinen diese Energie wieder abgeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber hat sich einer dieser wissenschaftlich Minderbemittelten in den Medien und den einschl\u00e4gigen \u201eForschungsgruppen\u201c schon einmal die Zahlen dazu angesehen?<br>Hat da ein Einziger in den Wissenschaftsredaktionen einmal den Rechenstift zur Hand genommen?<br>Ja, das Problem l\u00e4sst sich mit Hauptschulwissen (!) der Physik l\u00f6sen. Es sind nur Grundkonzepte, die man daf\u00fcr braucht: Masse, Gewicht, Erdbeschleunigung, Energieverbrauch pro Kopf (etwa 1 kW elektrische Energie pro Person in einem westlichen Industriestaat).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist kein Wunder, dass sich nach jedem derartigen Bericht in den Medien Hohn und Spott \u00fcber die Autoren ergie\u00dfen. Jeder HTL-Absolvent wird bis zum Ende seines Berufslebens einen derartigen Artikel als v\u00f6lligen Unsinn erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe aber noch nicht erlebt, dass Personen wie Herr Aigner jemals zu solchen Themen Stellung genommen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und damit sind wir beim Punkt: Zu viele Menschen spielen sich heute als Experten auf. Herr Aigner hat mal im Bildungsbereich gearbeitet. Wenn er die Grundz\u00fcge des Lehrstoffs (wie gesagt, Hauptschule reicht f\u00fcrs erste) verinnerlicht h\u00e4tte und die Liebe zur Wissenschaft ernst nehmen w\u00fcrde, m\u00fcsste er bei solchen Artikeln und bei vielen \u00e4hnlichen schon sehr viele Beitr\u00e4ge geschrieben haben. Wo sind sie?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vielzahl der Unsinnigkeiten, die heute an die Menschen herangetragen werden, haben den Effekt, dass die Nichtwissenden nur nach ihrer \u201eReligion\u201c, nach ihrer subjektiven Lebensideologie, bewerten, und dass die fachlich zumindest mittelm\u00e4\u00dfig ausgebildeten, vom Installateur bis zum HTL-Absolventen, den Kopf sch\u00fctteln. Je mehr sie im Leben stehen, umso st\u00e4rker.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine Schande, wenn auf die dilettantischste Weise Themengebiete der Wissenschaft miteinander vermischt und den Menschen \u201eaufs Aug gedr\u00fcckt\u201c werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Beispiel wird der Feinstaub mit der Stickoxidbelastung und dem CO\u2082-Aussto\u00df bei Autos in einen Topf geworfen. Alles ist \u201eumweltsch\u00e4dlich\u201c. Die Speicherleistung von Elektroautobatterien (die hochoptimiert auf geringes Gewicht und hohes Speicherverm\u00f6gen sind) wird als m\u00f6gliche L\u00f6sung zum Speichern von Windkraftstrom ins Spiel gebracht, obwohl sich f\u00fcr diesen Zweck fix installierte Anlagen mit viel h\u00f6herem Gewicht, geringeren Herstellkosten und geringerem Verbrauch an Bodensch\u00e4tzen und Spezialmaterialien empfehlen w\u00fcrden. Dass der Zweck von Elektroautobatterien ja ist, aufgeladen zu sein, wenn man das Auto einmal kurzfristig braucht, wird einfach vernachl\u00e4ssigt. Dass alle Batterien aller Autos, selbst wenn das ganze Land auf Elektroautos umgestellt wird, den Strombedarf des Landes nur wenige Tage speichern k\u00f6nnen und daher keineswegs eine L\u00f6sung f\u00fcr den gro\u00dfen saisonalen Unterschied von Strom\u00fcberschuss und Dunkelflaute sein k\u00f6nnen, wird so wenig thematisiert, wie alle anderen unangenehmen Wahrheiten. Woher der zus\u00e4tzliche Strombedarf von Elektroautos und W\u00e4rmepumpen kommen soll, wird grunds\u00e4tzlich nicht angesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist auch die Frage, wieso man gerade bei der Mobilit\u00e4t, wo das Verh\u00e4ltnis von Energie zu Gewicht die entscheidende Gr\u00f6\u00dfe ist, zuerst von fossil auf elektrisch umstellen will. Ein Dieseltank hat noch immer die etwa 70fache Energiedichte einer Batterie, und selbst bei gro\u00dfem Fortschritt in der Batterietechnologie sind keine gro\u00dfen Spr\u00fcnge mehr zu erwarten (weil mit Lithium bereits das leichteste verf\u00fcgbare Metall genutzt wird \u2013 ein kurzer Blick auf das Periodensystem w\u00e4re hilfreich).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist auch ein v\u00f6lliger Unsinn, die Zahl der Autos reduzieren zu wollen. Derzeit und auch in Zukunft sind Elektroautos insbesondere deshalb nicht konkurrenzf\u00e4hig, weil ihre Reichweite sehr begrenzt ist, umso mehr im Winter bei kaltem Wetter in den Bergen. Und eine auch nur halbwegs ausreichende Batterie wiegt schon mal 500 kg oder mehr. Das sind alles 2-Tonnen-Monster, die da propagiert werden. Und trotzdem ist Herr M\u00fcckstein mit den Elektroautos auf dem Weg zur Corona-Besprechung nach Innsbruck mitten auf der Autobahn liegen geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Sicht der Volkswirtschaft und der Vernunft w\u00e4re es viel besser, ein duales System zu propagieren: Ein kleines Elektroauto mit Reichweite maximal 100 km, um den t\u00e4glichen Pendlerweg zur Arbeit oder zum Park-and-Ride zur\u00fcckzulegen, und ein gro\u00dfes Verbrennerauto, um den w\u00f6chentlichen Gro\u00dfeinkauf und die Fahrt in den Urlaub zu erledigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber weil das gegen die linke \u201eAuto ist b\u00f6se\u201c-Ideologie geht, wird das bei uns nie kommen. Die besten M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Umweltschutz, die mit dem geringsten Mitteleinsatz den besten Nutzen bringen, werden aus ideologischen Gr\u00fcnden von den Linken boykottiert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herrn Aigners Text ist in praktisch allen Punkten fachlich falsch, und insbesondere entgegen den Erkenntnissen der Wissenschaft formuliert. Die Wissenschaft ist viel besser, als man ihr (von rechts wie von links) nachsagt oder vorwirft. Viele wichtige Fragen sind l\u00e4ngst gekl\u00e4rt, und manche L\u00f6sungsans\u00e4tze sind vorhanden. Damit diese genutzt werden k\u00f6nnen, muss man die antiwissenschaftlichen Schwurbler zurechtweisen und darf ihnen die Unwissenschaftlichkeit nicht durchgehen lassen. Soweit hat Herr Aigner recht. Leider geh\u00f6rt er selbst zu diesen Schwurblern, was er weder einsehen noch zu \u00e4ndern versuchen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei konkrete Punkte seines Texts m\u00f6chte ich noch herausgreifen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Punkt Eins: Der von ihm eingeforderte Respekt vor den Experten des Weltklimarats.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ich selbst einmal numerische Simulation von physikalischen Ph\u00e4nomenen betrieben habe, habe ich hohen Respekt vor der fachlichen Qualifikation von Personen, die ein solches Unterfangen in Angriff nehmen. Leider habe ich aber auch eine gewisse Erfahrung zur Aussagekr\u00e4ftigkeit von Simulationen in der Praxis. Hier muss man unterscheiden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erkenntnisse, die aus physikalischen Grundprinzipien, zum Beispiel Erhaltungsgr\u00f6\u00dfen, abgeleitet werden k\u00f6nnen, sind extrem valide. Wenn CO\u2082 tats\u00e4chlich einen Treibhauseffekt hat (was sich physikalisch messen und best\u00e4tigen oder widerlegen l\u00e4sst), dann ist die Erderw\u00e4rmung als Ph\u00e4nomen best\u00e4tigt. Die einstrahlende Energiemenge wird durch ein Treibhausgas ebenso wie bei \u201enormaler Luft\u201c bis zum Boden durchgelassen, weil sie einen grossen Anteil an hochenergetischer Strahlung hat (Temperatur der Sonnenoberfl\u00e4che mehr als 5000 \u00b0C), die durch das Treibhausgas durchk\u00f6nnen wie durch UV-durchl\u00e4ssiges Glas eines Treibhauses. Die abgestrahlte W\u00e4rmeenergie der Erde, die langwellig ist (Oberfl\u00e4chentemperatur etwa 300 K) hingegen wird durch ein Treibhausgas zur\u00fcckgehalten, weil es f\u00fcr diese Strahlung eher \u201eundurchsichtig\u201c ist, ebenfalls vergleichbar einem Glas im Treibhaus. Weil die eingestrahlte (plus die aus dem Erdinneren gleichm\u00e4\u00dfig abgegebene) Energie insgesamt abgestrahlt werden muss, muss sich das System also bei einer h\u00f6heren Oberfl\u00e4chentemperatur einpendeln. Soweit ist das physikalisches Grundwissen. Und \u201eda f\u00e4hrt die Eisenbahn dr\u00fcber\u201c. Den Energieerhaltungssatz wird so schnell niemand au\u00dfer Kraft setzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei direkte Ergebnisse kann man also aus einem h\u00f6heren CO\u2082-Gehalt der Atmosph\u00e4re ableiten:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Der h\u00f6here CO\u2082-Anteil selbst beschleunigt die Vegetation, weil seit der gro\u00dfen Reduktion des CO\u2082 in der Atmosph\u00e4re im Verlauf der Erdgeschichte (z.B. Karbon) das Pflanzenwachstum teilweise von der Verf\u00fcgbarkeit des Aufbaustoffs Kohlenstoff, der aus CO\u2082 gewonnen wird, begrenzt wird.<\/li>\n\n\n\n<li>Die durchschnittliche Oberfl\u00e4chentemperatur der Erde erh\u00f6ht sich, wie gerade oben dargestellt. Auch das beg\u00fcnstigt die Vegetation.<\/li>\n\n\n\n<li>Durch die h\u00f6here Oberfl\u00e4chentemperatur verdunstet aus den Weltmeeren mehr Wasser, was zu mehr Regen (auch \u00fcber dem Festland) f\u00fchrt. Auch das beg\u00fcnstigt prinzipiell die Vegetation.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit die drei banalen Effekte erster Ordnung, die direkt aus den physikalischen Grundprinzipien ableitbar sind. Und die sind nat\u00fcrlich allen Fachwissenschaftlern gut bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie wir alle wissen, verteilt sich der Regen (und verteilen sich sonstige Klimaeffekte) nicht gleichm\u00e4\u00dfig auf die Erdoberfl\u00e4che. Es gibt W\u00fcsten und tropischen Regenwald und noch viele sonstige Klimazonen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber all das wissen Geologen, Klimatologen, Ozeanologen und Meteorologen sehr viel. Bis hierher ist alles klar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings sind diese Folgeph\u00e4nomene (W\u00fcsten, Tropen, Schnee, Regen) und ihre Verteilung nicht direktes Ergebnis von physikalischen Erhaltungsgr\u00f6\u00dfen und -s\u00e4tzen, sondern entstehen durch ein komplexes Zusammenwirken vieler physikalischer Teilsysteme und durch geologische Ph\u00e4nomene von Langzeitspeicherung und -Freisetzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das im Vergleich zu fr\u00fcher hohe Wissen, das wir \u00fcber diese Ph\u00e4nomene heute haben, ist \u2013 und das ist f\u00fcr die Argumentation hier sehr wichtig \u2013 nicht aus Simulationen und nicht aus First-Principle-Rechnungen der Physik entstanden, sondern empirisch gesammelt worden. Die Teilsysteme sind so viele und so komplex, und ihr Zusammenwirken ist so sehr von Nichtlinearit\u00e4ten und Interaktionen gepr\u00e4gt (siehe Chaostheorie oder Schmetterlingseffekt), dass es grunds\u00e4tzlich bis heute nicht m\u00f6glich ist, mit einer Berechnung, die nur auf elementarer Physik beruht, diese Ph\u00e4nomene zu beschreiben und vorherzusagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist auch ein Grund, warum die Meteorologie (die kurzfristige Wettervorhersage) und die Klimatologie (langfristige Ph\u00e4nomene und statistische Gr\u00f6\u00dfen) nur wenig miteinander zu tun haben. Durch sehr dichte Messstationen konnte zwar die Qualit\u00e4t von Meteorologie in der Vorhersage stark gesteigert werden, aber mittel- und langfristig sind die Meteorologie und die Klimatologie noch immer v\u00f6llig verschiedene Gebiete. Die Grenze bleibt, und die Klimatologie erfordert eine andere Methodik als die Meteorologie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil das Zusammenwirken der Systeme so komplex ist, versucht man, die Komplexit\u00e4t einerseits zu reduzieren und andererseits in numerischen Simulationen zu erfassen. Hier bin ich nun etwas skeptisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den Halbleitersimulationen, mit denen ich zu tun hatte, war es grunds\u00e4tzlich so, dass ihre Voraussagekraft begrenzt war. Innerhalb einer Technologiegeneration konnte man mit Simulationen, wenn sie erstmal gut kalibriert waren, einzelne Effekte sehr gut nachvollziehen und die Auswirkung bestimmter \u00c4nderungen ganz gut vorhersagen. Bei jedem Technologiesprung mussten die Modelle allerdings von neuem kalibriert werden. Von einem Zustand, wo man eine g\u00e4nzlich neue Technologie durch Simulation so gut vorausberechnen kann, dass man das zum Entwurf der Technologie nutzt, ist die Simulation nach wie vor weit entfernt. In der Halbleitertechnologie besteht 90% der Arbeit aus Experimenten und Messungen, f\u00fcr die man nat\u00fcrlich das beste vorhandene Wissen nutzt. Weitere 9% kann man als die Leistung von physikalischen \u201ePauschalmodellen\u201c bezeichnen. Die Theoretiker, die rein mit Formeln ohne Anwerfen des grossen Gleichungsl\u00f6sers arbeiten, waren den Simulationsleuten grunds\u00e4tzlich immer voraus. Wenn man ein Ph\u00e4nomen einmal verstanden hat, haben diese Leute (Festk\u00f6rperphysiker etc.) normalerweise sehr schnell eine mathematische Beschreibung bei der Hand. Den 1% Nutzen, den die Simulation bringt, darf man nicht kleinreden \u2013 in manchen Situationen ist die numerische Simulation das erste Mittel der Wahl, um bestimmte Ph\u00e4nomene zu kl\u00e4ren, zum Beispiel wo genau im Halbleiter ein bestimmtes Feld in welcher St\u00e4rke auftritt. Aber man muss die Kirche im Dorf lassen und darf sich nicht erwarten, \u00fcber Vorhersage durch numerische Modelle eine neue Technologie entwickeln zu k\u00f6nnen. Die Natur und die Empirie erfordern viel mehr Arbeit und Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Halbleitersimulationen hochgradig nichtlinear numerisch anspruchsvoll waren, bestehen Halbleiter aber nur aus wenigen Grundkomponenten (Silizium, einige Dopanden, einige Materialien und Herstellungsschritte). Die hergestellten Computerchips sind zwar sehr komplex, aber die einzelnen Schritte, die Materialien und der Prozess sind sehr gut verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Klimasimulationen hat man es hingegen mit einer Atmosph\u00e4re zu tun, mit Ozeanen, mit Str\u00f6mungen, mit dem Gehalt verschiedenster Stoffe (Salinit\u00e4t des Wassers, Feuchtigkeit der Luft), mit nichtlinearen Ph\u00e4nomenen (Regenbildung), mit langfristigen chemischen Umbauprozessen, mit geologischen Ereignissen (Vulkane, Tektonik), und mit einer Vielzahl anderer Einflussgr\u00f6\u00dfen. An allen wird geforscht, aber zu den wenigsten davon gibt es Modelle mit hoher Vorhersagekraft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so kommt es, dass es bisher vom Weltklimarat noch kaum Best\u00e4tigungen der Modellrechnungen durch eingetroffene Vorhersagen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Darstellung t\u00e4uscht ein bisschen. Denn nat\u00fcrlich ergeben sich durch die Erderw\u00e4rmung viele Ph\u00e4nomene erster Ordnung, die einfach vorherzusagen sind und die man dann als Best\u00e4tigung der Modelle herumreicht. Aber bei genauerem Hinsehen sind diese keine Best\u00e4tigungen der Modellrechnungen, sondern Best\u00e4tigungen einfach (auch mit analytischen Modellen) vorhersehbarer Ph\u00e4nomene. Wenn es jahreszeitlich eine bestimmte Verteilung der Durchschnittstemperatur und um diese herum eine bestimmte Schwankungsbreite gibt, dann l\u00e4sst sich eine Steigerung der Hitzetage nat\u00fcrlich trivial behaupten und vorhersagen. Das best\u00e4tigt aber in keiner Weise die in der \u00d6ffentlichkeit oft heraufbeschworene Gefahr von Kippereignissen, die Steigerung von Wetterextremen oder andere \u201eWeltuntergangsszenarien\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nat\u00fcrlich werden einfache statistische Grundwahrheiten oft als Best\u00e4tigung der Modelle herumgereicht, sind es aber nicht. Wenn man drei\u00dfig klimatisch unabh\u00e4ngige Punkte der Erdoberfl\u00e4che festlegt und \u00fcber sie berichtet, dann wird es wohl durchschnittlich jedes Jahr ein \u201edrei\u00dfigj\u00e4hriges Temperaturmaximum\u201c, ein Niederschlagsmaximum, oder ein anderes solches Extremereignis geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr eine Best\u00e4tigung der oft propagierten gef\u00e4hrlichen Szenarien w\u00e4re also notwendig, dass sich die wissenschaftliche Community auf eine statistisch messbare Gr\u00f6\u00dfe festlegt, die sich nicht trivial aus der Durchschnittstemperaturerh\u00f6hung ergibt, deren \u00c4nderung vorhergesagt wird und im Nachhinein dann \u00fcberpr\u00fcfbar ist, und die f\u00fcr die Menschheit negative Auswirkungen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Davon habe ich in den Medien bisher nur wenig gelesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nach allem, was ich bisher wei\u00df, traue ich weder Herrn Aigner noch Markus Wadsak noch vielen anderen, die da als \u201eExperten\u201c herumgereicht werden oder unterwegs sind, die numerische L\u00f6sung einer einfachen Differentialgleichung zu, geschweige denn jenes tiefe physikalische Verst\u00e4ndnis, das ich bei vielen Experten in der Halbleiterforschung oft gesehen habe.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Punkt Zwei: Das von ihm nonchalant als akzeptabel in den Raum gestellte negative Wirtschaftswachstum<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einen linken Bildungsforscher mag es <em>en vogue<\/em> sein, wirtschaftlichen Stillstand oder sogar ein negatives Wirtschaftswachstum f\u00fcr angebracht zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es gibt auch noch sowas wie die Wirtschaftswissenschaften. Und die sind eine soziale, aber auch eine empirische Wissenschaft. Man wei\u00df aus der Empirie (und in \u00d6sterreich erleben wir es gerade), dass wirtschaftlicher Stillstand eigentlich ein Abstieg ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn die Welt dreht sich weiter. Anderswo erfinden die Menschen neue, bessere Technologien, die die alten abl\u00f6sen. Das betrifft alle Bereiche des Lebens: Ges\u00fcndere Nahrungsmittel, bessere Umwelt, Fortschritte in der Medizin und Pharmakologie, kleinere, schnellere und leistungsf\u00e4higere Computer, sparsamere und effizientere Verkehrsmittel, bessere W\u00e4rmed\u00e4mmung der H\u00e4user, intelligentere Verkehrsstromregelungen, weniger Abfall, weniger Gifte und bessere Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfungsmittel und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist bezeichnend, dass Herr Aigner in seinem Text einige dieser Aspekte als positiv darstellt (n\u00e4mlich jene, zu denen es in der letzten Zeit prononcierte Links-Rechts-Kontroversen gegeben hat), andere v\u00f6llig unter den Tisch fallen l\u00e4sst, aber summarisch ein Wirtschaftswachstum als eine zu vernachl\u00e4ssigende Gr\u00f6\u00dfe darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle diese Weiterentwicklungen entstehen durch Wettbewerb auf einem Markt, und auf dem Markt setzt sich die bessere Leistung durch, weil sie besser bezahlt wird. Das nennt man Wirtschaftswachstum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeiten, wo wie weiland in der Sowjetunion mehr Wirtschaft mehr Beton bedeutet hat, sind vorbei, zumindest im Westen. Die Sowjetunion hat bis zum Schluss ihrer Existenz pr\u00e4chtiges Wirtschaftswachstum herumgereicht, das aber bis zum Ende in mehr Beton und mehr Stahl gemessen wurde. Sie hat dabei einige technische Revolutionen verschlafen, die Computerrevolution und die unter Reagan gestartete R\u00fcstungsinitiative (Strategic Defense Initiative) haben ihr dann \u201edas Genick gebrochen\u201c. Mit Aufwendungen von 30% des BIP f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie bei gleichzeitigem jahrzehntelangen Stillstand des allgemeinen Wohlstands wollten sich die B\u00fcrger nicht mehr abfinden, und letztlich konnten die steigenden R\u00fcstungsausgaben aus der stagnierenden Wirtschaft einfach nicht mehr finanziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parallelen zu heute? Klar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier ist aber der entscheidende Punkt, dass Herr Aigner den Wohlstand und den Fortschritt nur dort sehen will, wo er in sein linkes Konzept passt. Wissenschaft ist f\u00fcr ihn nur, was seine linken Freunde ihm erz\u00e4hlen, sie ist nur ein Kampfmittel im Grabenkrieg zwischen Links und Rechts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie schrecklich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur modernen Wissenschaft geh\u00f6rt auch, die Dinge im Zusammenhang zu sehen. Und dazu ist es notwendig, bei Ma\u00dfnahmen wie den Corona-Einschr\u00e4nkungen beides zu sehen: Den erzwungenen Stillstand der Gesellschaft und die verlorenen Lebensjahre an Kontakt und an Lebensqualit\u00e4t einerseits, und die Gef\u00e4hrdung vieler Menschen durch die Epidemie und durch boshafte, quer denkende und r\u00fccksichtslose Mitmenschen andererseits. Mit seiner Kritik der Querdenker und \u00e4hnlicher Gruppen hat er recht, aber wenn er die Wissenschaft propagieren will, sollte er zuallererst einmal dorthin sehen, wo diese v\u00f6llig missachtet wurde: Ins \u00f6sterreichische Gesundheitsministerium. Ganz analog zu den nicht die Zusammenh\u00e4nge begreifenden Klimaklebern hat auch das Gesundheitsministerium sich Scheuklappen aufgesetzt. Es hat die Wissenschaft nur selektiv ber\u00fccksichtigt, und nur im Sinn seiner eigenen Interessen und Vorgaben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ganze Pandemie hindurch hat das Contact-Tracing im wesentlichen nicht funktioniert, es war zu wenig, zu langsam und zu konzeptlos. Die Kritik des Rechnungshofs, man h\u00e4tte f\u00fcr die Tests eine Strategie haben sollen, l\u00e4sst sich pr\u00e4zisieren: Wir hatten wunderbare Initiativen von Privaten (Christoph Steininger hat von Anfang an eine gute Teststrategie propagiert, die insbesondere logistisch gut organisiert war). Allerdings war an den Schulen das Chaos. Teils wurden mit einer Woche Versp\u00e4tung Quarant\u00e4nebescheide zugestellt, und ganze Schulstunden sind daf\u00fcr draufgegangen, die Sitznachbarn erkrankter Sch\u00fcler formell zu dokumentieren, w\u00e4hrend jene, die selbst bereits infiziert waren, l\u00e4ngst selbst zu Hause geblieben waren und ihre Mitsch\u00fcler per WhatsApp verst\u00e4ndigt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weder das Gesundheitsministerium noch das Unterrichtsministerium waren in der Lage zu verstehen, dass jede Epidemie eine Frage der Ausbreitungsmathematik ist. Mit gro\u00dfer Verz\u00f6gerung hat man einige Leute mit Simulationen beauftragt, die dann im Nachhinein best\u00e4tigt haben, was man eh schon durch die Beobachtung wusste. Auf die Entwicklung der Infektionszahlen im Sommer 2020, auf die Erich Neuwirth hingewiesen hat, und auf die Warnungen der Mathematiker Markowich und Mauser hat man nicht geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann man nicht nur der Regierung und den Parteien in die Schuhe schieben. Das muss man, wenn man ehrlich ist, als grunds\u00e4tzliches Versagen des epidemiologischen Verst\u00e4ndnisses in der daf\u00fcr zust\u00e4ndigen Abteilung des Gesundheitsministeriums anprangern. Ein Ministerium, das seine Mitarbeiter aus der Arbeiterkammer rekrutiert, das ein Jahr f\u00fcr das Upgrade eines v\u00f6llig nutzlosen epidemiologischen Meldesystems verschwendet und das die rasche Ausbreitungscharakteristik des Virus v\u00f6llig ignoriert, ist nutzlos. Ein Ministerium, dessen Chef sich hinstellt und im TV die Grundz\u00fcge exponentiellen Wachstums erkl\u00e4rt, der aber im Hintergrund nicht eine Stunde Zeit findet, um sich praktische M\u00f6glichkeiten anzuh\u00f6ren, wie man effizientes Contact-Tracing machen kann, kann einpacken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Aigner sieht die Entwicklung von modernen mRNA-Impfstoffen positiv. Diese Sicht teile ich. (Die Firma Biontech ist \u00fcbrigens von Deutschland nach England ausgewandert, vermutlich weil das ein besserer Forschungsstandort ist.) Er sieht die Ma\u00dfnahmen wie Lockdowns als notwendig und wissenschaftlich gerechtfertigt. Das teile ich nur halb. Ja, Lockdowns sind manchmal unvermeidlich und geh\u00f6ren seit jeher zur Praxis der Seuchenvermeidung (und waren auch immer heftig umstritten). Aber Voraussetzung eines Lockdowns ist es, dass die Beh\u00f6rden sich zuvor angestrengt haben, alle Ma\u00dfnahmen auszusch\u00f6pfen, um Lockdowns zu vermeiden. Das war beim \u00f6sterreichischen Gesundheitsministerium nicht der Fall. Es hat sich sehr banalen Erkenntnissen verweigert. In einer Stunde h\u00e4tte man ihm nachweisen k\u00f6nnen, dass seine Methoden des Contact-Tracing nicht wirksam sind und warum. Und was man h\u00e4tte besser machen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber in \u00d6sterreich sitzen in solchen Ministerien lauter Linke ohne soziales Gewissen, ohne Verantwortung f\u00fcr die vielen Menschenleben, die von ihren Entscheidungen abh\u00e4ngen. Und darum geht man ganz bewusst Wege, die nachweislich unwirksam sind und in die Irre f\u00fchren, und verweigert jeden wissenschaftlichen Dialog und jede Erkenntnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist ein Folge des \u00f6sterreichischen Bildungssystems, und zwar ganz konkret eine Folge jener Reformen, die den Obrigkeitsstaat f\u00fcr gut halten, die das staatlich-planwirtschaftliche Modell f\u00fcr gut halten, und die \u201eWissenschaft\u201c f\u00fcr ehrf\u00fcrchtiges Verbeugen vor den Kapazundern der Wissenschaft halten, nicht f\u00fcr eigenes kluges Nachdenken und \u00dcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein \u00e4hnliches Versagen wie beim Gesundheitsministerium in der Corona-Krise ist in ganz \u00d6sterreich zu verzeichnen, wenn es um Ma\u00dfnahmen zum Klimaschutz geht. Hier werden einige Wissenschaftler zu G\u00f6tzen ernannt, denen es zu folgen gilt, und es wird Ideologie betrieben. Alle, die das nicht tun, werden als \u201ewissenschaftsfeindlich\u201c denunziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insbesondere dass das von Leuten wie Herrn Aigner kommt, die konkret wenig Ahnung von Mathematik, Naturwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft haben, st\u00f6\u00dft sauer auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00fcrde mir von Herrn Aigner w\u00fcnschen, dass er nicht \u00f6ffentlich und publikumswirksam auf die konservative Reichsh\u00e4lfte eindrischt, weil die seiner Idee von Wissenschaft nur zum Teil folgt, sondern dass er wissenschaftsablehnende Mitarbeiter im Staatsapparat und auf den Unis (also die Linken) zur Ordnung ruft. Dort ist die Wissenschaftsfeindlichkeit zu Hause. Dort sucht man sich aus \u201eder Wissenschaft\u201c immer \u201edie Wissenschaftler\u201c aus, denen es zu folgen gilt, und zwar ohne eigenes wissenschaftliches Denken, sondern in stummer Heldenverehrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also das Gegenteil von Wissenschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sich die gr\u00f6\u00dften Wissenschaftsleugner als Verteidiger der Wissenschaft aufspielen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[92],"tags":[93,95,96,97,100,99,98,94],"class_list":["post-155","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-vernunft-und-wissenschaft","tag-josef-christian-aigner","tag-klimaforschung","tag-markus-wadsak","tag-ronald-reagan","tag-schule","tag-sowjetunion","tag-wirtschaftswachstum","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=155"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":173,"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155\/revisions\/173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.clausfischer.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}